Heavy Rain

Inhalt

Der Origami-Killer hat eine Stadt in Panik versetzt. Jemand muss die Kontrolle übernehmen. Spielen Sie alle vier Hauptrollen in diesem packenden Psycho-Thriller, bei dem jede Entscheidung dramatische Konsequenzen haben kann und jede Ihrer Handlungen sich darauf auswirkt, wie die Geschichte weitergeht.
Komplett mit dem neuen Playstation Move-Motion-Controller ODER einem Dualshock 3 Wireless-Controller spielbar. Ihr Instinkt, Ihr moralisches Empfinden und Ihre Reaktionen werden auf die Probe gestellt – von einem Serienmörder, der Ihnen immer einen Schritt voraus zu sein scheint …


Meinung

Der Quasi-Nachfolger zu Fahrenheit, zumindest von der Art her und dem Mastermind dahinter. Da ich jenes ganz nett fand, kam ich um Heavy Rain nicht herum.
Grafisch eine klare Verbesserung, wo Fahrenheit schon damals etwas veraltet wirkte, sieht HR – als sehr früher PS3-Titel – heute nach wie vor gut aus. Zudem läuft alles sehr flüssig ab. Einen klassischen Game Over/Continue-Screen gibt es nicht mehr, es geht immer irgendwie weiter, dann eben mit etwas anderem Verlauf. Das spielt sich wirklich wie ein durchgehender, interaktiver Film. Wobei es bei weitem nicht so unlinear zugeht, wie der Hype glauben machte, bei vielen Entscheidungen hat man gar keine Wahl, auch der Killer ist und bleibt immer derselbe. Die Identität des Killers ist beim ersten Durchspielen sogar überraschend, wobei dies durch einen, eher billigen, erzählerischen Kniff bewerkstelligt wird, den ich jetzt nicht spoilern will. Nett auch die regelmäßigen Perspektivwechsel.

In Sachen Story und Dramaturgie ist man allerdings gnadenlos gescheitert. Massenhaft Hollywood-Klischees unbeholfen aneinandergereiht. Viele Handlungen, die absolut keinen Sinn ergeben, aber eben passieren, um den Plot weiter in die gewollte Richtung zu treiben, oder auch bloß, um den Spieler emotional mitzunehmen (ebenso leicht durchschaubar, daher selten effektiv). Ein Beispiel für die Erzählkunst von David Cage – nur mäßiger Spoiler, kommt sehr früh vor: Sohnemann rennt über die Straße und ist tot. Wie er vom Aufprall sterben konnte, mitten in der Stadt, bei entsprechend niedrigem Tempo, noch dazu mit dem Vater als Dämpfer, der sich zwischen Auto und Sohn wirft? Warum der Sohn überhaupt das Einkaufszentrum, in dem er sich samt Familie aufhält, verlässt, um die Straße zu überqueren? Spielt keine Rolle. Der dramatische Effekt ist wichtiger und das Klischee vom gebrochenen Helden kann auch nie schaden…

Ein weiteres Problem ist der lahmarschige Start. Die ersten 10 Minuten von Fahrenheit sind tausendfach mitreißender als die erste Stunde in Heavy Rain. Generell hätten dem Gameplay weniger Banalitäten gutgetan, ich denke da an aufregende Aktionen wie Rasieren und Babywickeln, wie sie dutzendfach vorkommen.

Nächstes Problem – die Steuerung. Sich souverän in einem Raum zu bewegen, noch dazu ohne die Übersicht zu verlieren, kann sich bisweilen schon als schwieriger erweisen, als die komplexeste Quicktime-Actionszene. Ich kenne nur die PC-Version von Fahrenheit, aber ich finde, man hatte sich deutlich Mühe gegeben, das Ding auf eine Maus/Tastatur-Steuerung zu portieren. Die Steuerung in HR hingegen funktioniert viel schlechter. Dieses idiotische Schultertaste gedrückt halten zum Gehen und die zwei wählbaren Kameraperspektiven, von denen oftmals keine optimal ist, können einen in den Wahnsinn treiben. Wenn schon Gamepad, dann will ich auch beide Analogsticks nutzen können; einen zum Steuern der Figur, und eine, um die Kamera frei zu bewegen. Und soweit ich mich erinnere, hatte man in Fahrenheit auch noch eine Lauf-Taste, während man in HR die meiste Zeit dahinschlurft… Irgendwie ist das alles so schrecklich undurchdacht, dabei musste man sich bei der Entwicklung – da PS3-Exklusivtitel – doch nur auf ein einziges Gamepad konzentrieren.

Die Synchro ist ebenfalls schwach für einen Titel mit dem Budget. Zwar kommen im Gegensatz zu Fahrenheit bekanntere Namen zum Einsatz, die Leistung ist aber ähnlich durchwachsen (Synchronregie geschlafen?).

Vielleicht hätte man weniger enttäuscht, wenn man mehr Sorgfalt und Geld direkt in das Spiel investiert hätte, anstatt fast die Hälfte des Budgets für Marketing zu verpulvern um einen riesigen Hype zu generieren… Das mag jetzt alles sehr negativ klingen, HR weiß aber durchaus zu unterhalten, vor allem, wenn der holprige Start erst überwunden ist. Tempo und Spannung ziehen im weiteren Verlauf spürbar an. Auch an der Holzhammer-Dramaturgie, und der trashigen Art gesamt, kann man seinen Spaß haben – man sollte es halt nicht zu ernst nehmen. Trotzdem habe ich Fahrenheit (durchgehend spannende und straffe Inszenierung, nicht allzu dämlich agierende Charaktere) als etwas besser in Erinnerung.
Wenn wir schon beim Vergleichen sind, ein paar Worte zum „Nachfolger“ Beyond, den ich kürzlich beendet habe: In Bezug auf Gameplay, Steuerung und Synchro sind leichte Verbesserungen auszumachen. Absurde Momente gibt es nach wie vor einige. Cage weiß einfach nicht, wie sich normale Menschen verhalten. Zukünftige Titel werde ich mir vermutlich sparen, sofern er wieder für das Script verantwortlich ist.

Diese Version hier hat optionale Move-Unterstützung und enthält den ersten – und einzigen – veröffentlichten Download-Content zu Heavy Rain; eine kurze, jedoch spannende Bonus Episode. Außerdem lässt sich der Soundtrack auf die PS3 kopieren.


Story: 5 / 10
Grafik: 8 / 10
Musik: 7 / 10
Gameplay: 5 / 10


© Quantic Dream / Sony Computer Entertainment


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