B-Movies! Classic Collection

Normalerweise meide ich solche Sets, die auf dem Cover stolz „8 Filme auf 2 DVDs“ oder Ähnliches anpreisen, aber da es hier nur jeweils zwei Filme mit deutlich unter 100 Minuten pro Disc sind, sollte das noch in Ordnung gehen. Außerdem sind einige bekanntere Namen mit von der Partie und gesehen hatte ich noch keinen der Filme. Die Neugier war also geweckt.


Dracula und seine Opfer

Glen erbt von seinem Onkel ein Schloss in der kalifornischen Wüste (!) und macht sich, mit seiner Verlobten Liz, auf zur Besichtigung. Dass so eine ungewöhnliche Immobilie ungewöhnliche Mieter anzieht, ist kaum überraschend: Dracula und seine Braut. Das Pärchen spielt mit dem Gedanken, selbst in das Schloss einzuziehen, was die bisherigen Mieter natürlich weniger erfreut und als dann auch noch deren dunkles Geheimnis aufgedeckt wird, kann es nur mehr eine Lösung geben…
Ein relativ unterhaltsamer wie dilettantischer Versuch eines US Hammer-Gruselfilms. Was an Atmosphäre der Vorbilder fehlt, wird mit relativ hohem Kill-Count und reichlich Absurdität wettgemacht. Leider sind auch ein paar Zeitschindereien zu verzeichnen, um den Film mit seinem mageren Plot auf Kinofilm-Länge zu bekommen, doch das wurde in einigen anderen B-Movies schon weit exzessiver zelebriert.
Bild und Ton (Deutsch und Englisch DD 2.0) sind in mäßigem Zustand. Das Bild ist recht verwaschen, mit schwankender Schärfe, die aber generell nicht sehr hoch ist. Immerhin halten sich größere Defekte und Verunreinigungen in Grenzen, kleinere sind durchgehend vorhanden.

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Eine reichlich gefüllte Speisekammer.
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Nur schwer zu erkennen, aber ein mordlüsterner Werwolf spielt auch mit.

In den Klauen des Giganten

Ein Irrer geht in der Gegend um und lässt Mensch wie Tier leblos und verstümmelt zurück, was für Unruhe in einem kalifornischen Kaff sorgt. Professor Cleveland beunruhigt das nicht. Zusammen mit seiner Tochter und einem Ortskundigen, beginnt er mit Ausgrabungen im Teufelstal, wo er Überreste der Konquistadoren zu finden glaubt. Doch ein – überraschenderweise gigantischer – Konquistador ist deutlich besser erhalten als erwartet…
Ein sehr altmodisch und gemächlich inszenierter Film, selbst für Ende der 50er. Liebhaber alter, harmloser Drive-In Horrorschinken könnten sich damit anfreunden, für die meisten Zuseher wird er wohl doch zu fade sein.
Das Bild ist dem Alter entsprechend ziemlich gut, nur die Jump-Cuts stören (sehr auffällig kurz vor Minute 21). Der (Mono-)Ton ist gut verständlich. Jedoch hat man beim Erstellen der Disc einen Bock geschossen; bei der Wiedergabe über meinen Blu-ray Player war die Audio-Taste gesperrt und das spärliche Menü hat keine Option zum Einstellen der Tonspur. Der O-Ton ist also nur über PC, mit Software wie dem VLC Player, problemlos erreichbar.

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Joe der Indianer. Selbst Pierre Brice ist überzeugender.
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Der beste Special Effect des Films. Könnte daran liegen, dass es der einzige Special Effect ist.

Hoffnung auf Eis

Der Gauner Joe (nicht verwandt mit Indianer Joe) wird bei einem Banküberfall schwer verletzt und liegt im Koma. Zum Glück hat er einen gutbetuchten Vater, der es sich leisten kann, ihn zu konservieren. Also ich bin weder Experte für Kryonik noch für amerikanische Gesetze, aber es kann kaum machbar sein, einen mehrfachen Mörder auf diese Weise womöglich davonkommen zu lassen. Und sollten die Handschellen klicken, sobald er irgendwann erfolgreich aufgetaut wurde, wird er seinem Papi sicherlich enorm dankbar sein… Aber gut, weiter im Programm. Blöd nur, dass der pöse Kryo-Chefarzt seine Patienten erst für den illegalen Organhandel filetieren lässt, bevor sie eingefroren werden. Zufällig schlägt ein Blitz in die Gefrierkammern ein und die Insassen werden wieder lebendig. Jene sind mächtig angepisst – ob der fehlenden Innereien, oder weil Zombies grundsätzlich nie allzu freundlich gesinnt sind, bleibt dem Zuschauer überlassen.
Yup, ganz netter Trash. Es wird von Anfang an eine gewisse Tiefe durch moralische Fragen der Kryonik suggeriert, in der Praxis wirkt es mehr wie doofe und plumpe, erzkonservative Propaganda. Ein paar bescheuerte One-Liner. Grottige Masken. Ein herrlich idiotisches Ende. Dan Haggerty als überdrehter Die-Hard-Wachmann macht und hat sichtlich Spaß, Linda Blair weniger. Sie soll angeblich während der Dreharbeiten gekündigt haben und für die letzten Minuten von einem Double gespielt worden sein. Ehrlich? Mir wäre es nicht aufgefallen…
Von der üblichen Entfernung zum TV ist das Bild okay. Näher betrachtet erinnert es doch sehr an VHS, bzw. alte Fernsehfilme. Ich gehe mal davon aus, dass keine Film- sondern Video-Kameras benutzt wurden. Der deutsche Ton (wieder Stereo) klingt ganz gut, frischer als der O-Ton.

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Gott hat mir jedenfalls erzählt, dass er diesen Film nicht befürwortet.
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„When there’s no more room in hell, the dead will walk the earth“ – wearing cheap masks!

Die Erde stirbt – Geburten verboten

Massive Umweltverschmutzung, Nahrungsmangel und Überbevölkerung haben die Regierung zu einer radikalen Maßnahme greifen lassen: Geburten sind für die nächsten Jahrzehnte verboten, Schwangere müssen abtreiben, findet dennoch eine Geburt statt, werden Eltern samt Brut getötet. Dies geschieht auf äußerst kuriose Weise. Eine kleine Kuppel wird per Fluggerät auf offener Straße über die Verbrecher gestülpt, in der sie innerhalb von ein, zwei Tagen einfach ersticken. Als Kinderersatz werden elektronische Puppen angeboten. Die verzweifelte Carol jedoch, kann und will sich damit nicht abfinden. Als ihr frischgeborenes Baby eines Arztes bedarf und sie sich erstmals mit dem Baby hinauswagen muss, beginnen die Schwierigkeiten…
Ein nettes kleines, dystopisches Science Fiction Drama. Problematisch ist das niedrige Budget, welches sich an allen Ecken und Enden bemerkbar macht und die ganze Welt an Glaubwürdigkeit einbüßen lässt. Die letzten 10 Minuten sind auch nicht gerade glaubhaft, ohne zu viel zu verraten, ist es der schwachsinnigste Fluchtplan aller Zeiten, bei dem sofort klar ist, dass sie normalerweise mit über 99% Wahrscheinlichkeit eher ersticken würden. Ansonsten nichts auszusetzen, es gibt sogar ein paar schicke optische Spielereien. Mit mehr Budget und einem überarbeiteten Drehbuch hätte es ein ausgezeichneter Film werden können. So ist er aber nicht ganz zu Unrecht in einer trashigen Collection zu finden.
Das Bild bringt es auf eine passable Schärfe. Durchgehende, aber nur kleinere, Verunreinigungen.
Der Monoton ist ganz gut verständlich. Die Audio-Taste ist leider gesperrt, wie schon beim Giganten.

geb1
Kurzwährendes Vaterglück.
geb2
Diesen süßen Fratz würde ich auch sofort lieb haben.

Abschließend bleibt zu sagen, dass ich die meisten der enthaltenen Filme nicht unbedingt zum Einzelpreis gekauft hätte, aber in dieser Form ist es durchaus lohnenswert. Wenn das der Start einer Reihe ist, bin ich gerne dabei. Nur zukünftig dann bitte mit mehr Sorgfalt (Menü, Audio-Taste) erstellt.
Untertitel sind übrigens keine vorhanden und einziges Extra ist das Wendecover.


Gesamturteil: 6 / 10


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