Bravely Default – Himmel und Hölle

Inhalt

Nachdem der Große Abgrund die Welt fast entzwei gerissen hat, versinkt die Welt von Luxendarc in Finsternis. Die vier elementaren Kristalle – Feuer und Wasser, Wind und Erde -, die Licht in die Welt bringen, werden von einer überwältigenden Macht verschlungen, sodass die Natur aus dem Gleichgewicht gerät. Schlafende Vulkane brechen wieder aus, die Ozeane trüben sich und werden zur Gefahr.
Agnès Oblige, die Vestalin des Windes, wird verschont, als die Ministranten ihres Tempels ihr Leben opfern, um sie vor dem Schrecken des Windkristalls zu beschützen. Agnès begibt sich unter der Führung einer Kristallfee namens Airy auf eine Mission, um die Kristalle zu erwecken und das Licht zurück nach Luxendarc zu bringen.
Inmitten dieser Katastrophe wurde das Dorf Norende vollends vom Großen Abgrund verschluckt. Tiz Arrior, der einzige Überlebende, ist fest entschlossen, seine Heimat wiederaufzubauen und die Finsternis aus Luxendarc zu vertreiben. So schließt er sich Agnès auf ihrer Mission an.


Meinung

Oha! Square Enix kann ja doch noch klassisches RPG. Klassisch vor allem in Sachen Kampfsystem (rundenbasiert und generell gut konzipiert), um die Stärken von Bravely Default gleich vorweg zu nehmen, zu denen auch das vielseitige und flexible Jobsystem gehört. Die Jobs und Skills sind auch noch jederzeit austausch- und kombinierbar, zahlreiche verschiedene Ausrüstungsgegenstände machen den Himmel für Charakteraufpimp-Fetischisten komplett.

Zur Auswahl stehen drei Schwierigkeitsgrade (jederzeit änderbar): Leicht, Normal und Schwer. Auf Normal gestartet, mag man im ersten Kapitel noch befürchten, dass Square es mit der Vercasualisierung wieder übertrieben hat, da sehr einfach, aber die Kämpfe werden ab Kapitel zwei sukzessive knackiger. Sehr nett ist die Option, mit der man die Gegnerhäufigkeit einstellen kann, so lässt sich z.B. selbst bestimmen, wie und wann man sich hochleveln will. In aller Ruhe ein Dungeon nach Schatzkisten absuchen, ohne ständig gestört zu werden? Kein Problem, Gegner einfach komplett abstellen. Hochleveln auf der World Map? Gegnerhäufigkeit auf 100% stellen und man braucht nicht lange auf den nächsten Kampf zu warten. Denn ganz ohne das Hochleveln wird man vermutlich nicht einmal auf dem einfachsten Schwierigkeitsgrad weit kommen.
Der Casual-Wahn ließ sich allerdings nicht gänzlich abschütteln. Man merkt es daran, dass man ständig an der Hand geführt wird und permanent angezeigt bekommt, wohin man als nächstes gehen muss, obgleich ohnehin schon alles sehr linear abläuft. Dabei gibt es zwar einige Nebenquests zu bestreiten, aber ansonsten nicht viel zu entdecken und erkunden auf der World Map, auch die Orte und Dungeons sind sehr kompakt gehalten.

Der Grundplot ist weitestgehend uninspiriert und uninteressant. Das Übliche eben: Weltuntergang, die vier Kristalle, die für die vier Elemente stehen, müssen wieder aktiviert werden, usw… Und die Wendungen sind so lange vorbereitet, dass sie nicht mehr überraschen, wenn sie endlich stattfinden.
Die Charaktere sind gleichfalls nicht sonderlich interessant, wobei ich das Gefühl hatte, dass man bei den Gegnern mehr Kreativität an den Tag gelegt hat. Für den Humor sorgt überwiegend Möchtegern-Casanova Ringabel, für ein paar Schmunzler ist jener zwar gut, doch sind die Witzchen repetitiv und nerven bald nur mehr. Außerdem konnte man es sich nicht verkneifen, ihm auch noch eine Amnesie zu verpassen (Für den weniger japanophilen Leser: Amnesie ist das Drehbuch-Allzweckmittel um Mystery-Elemente einzustreuen – allein schon im Anime/Manga-Bereich unerträglich häufig wiedergekäut. Aber vielleicht kommt Amnesie in Japan ja wirklich so häufig vor wie Schnupfen…)
Ab etwa dem dritten Kapitel ertappte ich mich immer häufiger dabei, immer längere Spielpausen einzulegen, da die Kämpfe zwar weiterhin fordernd und kurzweilig waren, die Geschichte aber nicht übermäßig zum weiterspielen motivierte, sowie mir die Charaktere relativ egal waren. Und wenn dann endlich wieder mehr Fahrt aufkommt, und man glaubt, langsam auf das Ende zuzusteuern, beginnt ein ungemein nervtötender Abschnitt, in dem man mehrmals dieselben vier Bosse besiegen muss.

Grafisch top für 3DS-Verhältnisse, einige Hintergründe sind sogar richtig beeindruckend, bloß die Figuren könnten detailreicher sein. Bei mir ist das 3D zumeist deaktiviert, auf Dauer ist es einfach anstrengender für die Augen, und man muss ständig den richtigen Winkel finden und beibehalten… Testweise hatte ich es trotzdem hin und wieder aktiviert: Der 3D-Effekt kommt in einigen Städten und Zwischensequenzen richtig gut zur Geltung, mit den mehrfachen Layern, die „herauspoppen“, spielt ansonsten aber keine große Rolle.
Der Soundtrack ist ebenfalls äußerst gelungen. Höchst eingängig, passend und abwechslungsreich. Gesprochen wird wahlweise Englisch oder Japanisch, deutsche Untertitel sind natürlich vorhanden.

Hölle ist Wiederholung. Obschon Bravely Default einiges richtig macht, hat es sich einen Platz zumindest in der JRPG-Vorhölle redlich verdient. Frustrierend und repetitiv, doch mit genügend Reizen, dass ich es Genre-Freunden dennoch empfehlen würde – Geduld und Nervenstärke vorausgesetzt.


Story: 5 / 10
Grafik: 8 / 10
Musik: 8 / 10
Gameplay: 7 / 10


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© Square Enix / Nintendo


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Ein Kommentar zu “Bravely Default – Himmel und Hölle”

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