Miss Hokusai

Japan Anfang des neunzehnten Jahrhunderts in Edo, dem heutigen Tokio. Der damals noch weniger bekannte Künstler Katsushika Hokusai werkelt hier hauptsächlich an Auftragsarbeiten, unterstützt von seinem stümperhaften Schüler und seiner deutlich begabteren Tochter O-Ei – ein starker, eigensinniger sowie warmherziger Charakter.
Katsushika Hokusai ist heutzutage einer der bekanntesten Künstler der Edo-Zeit, man muss sich nicht eingehend mit japanischer Kunst beschäftigt haben, um sein Bild mit der Welle zu kennen. Nebenbei könnte man ihn außerdem als Erfinder des Tentakel-Porn sehen. Falls also wieder einmal jemand eure Hentai-Sammlung im Regal kritisch beäugt, kontert einfach damit, dass es sich hierbei um Kunst mit Jahrhunderte alter Tradition handelt… Aber zurück zum Film.

Wir haben es hier mit keinem typischen Biopic zu tun, mehr episodenhaftes Slice of Life, was thematisch hervorragend zur Ukiyo-e („Bilder der fließenden Welt“) Volkskunst passt. Und natürlich stark fiktionalisiert, bis auf einige Eckdaten ist nur wenig aus O-Eis Leben bekannt. Insgesamt weniger „artsy“ als man erwarten könnte. So wurde zum Beispiel eine kleine Hommage an jenes berühmte Wellenbild eingebaut, auch die Einblicke in die Arbeitsweise und Philosophie des Meisters sind nicht uninteressant. Doch abgesehen von wenigen surrealen Einschüben, geht es vermehrt um die kleinen, alltäglichen Dinge. Ebenso nimmt das zumeist nur kurz umrissene, oder gar nur angedeutete, Drama kaum Überhand. Der Grundton ist überraschend humorvoll und locker. Nur einmal wollte man vielleicht etwas zu viel. Die Szene, in der eine gewisse Person stirbt ist zwar stark inszeniert und animiert, in ihrer Symbolik aber klischeehaft überfrachtet und dramaturgisch allzu vorhersehbar. Viel berührender war da die Szene mit O-Eis Gemälde jener Person zum Ende hin.

Miss Hokusai ist ein schöner, angenehmer Film mit marginalen Schwächen geworden. In wundervollen Bildern, bis hin zu den kleinen Background-Kunstwerken, umgesetzt. Und auch auf Deutsch, dank der hervorragenden Synchro – selbst eine eher problematische Rolle, wie die der kleinen Schwester, wurde gut und vor allem altersentsprechend passend besetzt – ein Genuss. Die frei mäandernde Erzählweise ist im Sinne von Ukiyo-e, dürfte allerdings nicht unbedingt bei jedem Anklang finden. Ein weiterer Punkt an dem sich die Geister scheiden könnten ist der moderne Soundtrack – persönlich empfand ich den nur bei der Classic Rock Nummer gleich zu Beginn als etwas störend. Trotzdem absolute Empfehlung für alle, die schon Summer Days with Coo vom selben Regisseur mochten, oder auch die Filme von Isao Takahata schätzen.


Technisches

Nichts ernsthaft am Bild zu kritisieren. Sauber, scharf, die klasse Farb- und Lichtspiele des Films werden bravourös wiedergegeben. Nur die Bitrate liegt mit knapp über 20 Mbps bloß im Mittelfeld. Was aber unproblematisch ist. Die Szenen sind meist sehr klar und aufgeräumt, die Hintergründe weitenteils bewusst statisch gehalten. Nichts also, woran die Videokompression viel zu knabbern hätte.
Der Ton kommt auf Deutsch und Japanisch im verlustfreien 5.1 DTS-HD MA Format daher.
Die weißen Untertitel mit schwarzer Umrandung sind gut lesbar.


Extras

Leider nur pures Minimum: Trailer und Credits. Schade, zum Film selbst und auch zur Thematik hätte es bestimmt einiges an interessantes Material gegeben.
Immerhin erscheint etwa einen Monat später zusätzlich eine Collector’s Edition mit Bonus-Disc, Booklet, etc. – wenn auch nicht gerade günstig ausgefallen…


Gesamturteil: 7,5 / 10


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© Hinako Sugiura・MS.HS / Sarusuberi Film Partners


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