Dragon Quest VII

Dragon Quest VII, eine schwere Geburt. Die ursprüngliche Playstation Version erschien nie in Europa und das 3DS Remake hat ganze drei Jahre gebraucht, um es endlich in den Westen zu schaffen. Schauen wir mal, ob sich das Warten gelohnt hat…

Zur Abwechslung wird mal nicht gleich zu Beginn das Dorf unseres Helden zerstört, der Weltuntergang eingeleitet, oder ein Fiesling versucht die Herrschaft an sich zu reißen. Ganz im Gegenteil; unser Protagonist befindet sich auf einer abgeschotteten, friedfertigen Insel. Er wächst behütet in einem kleinen Fischerdorf auf, außerhalb existiert ansonsten nicht viel mehr als die kleine Hauptstadt inklusive Schloss. Doch wollen er und sein Freund Prinz Gismar nicht so recht glauben, dass dies wirklich die einzige Insel sein soll und sind natürlich heiß auf Abenteuer. Dazu gesellt sich Maribel, die Tochter des Bürgermeisters, der es auf der Insel ebenfalls zu öde zugeht.

DQ VII ist ein sehr gemächliches Unterfangen. So dauert es gut zwei Stunden bis zum ersten Kampf. Und im Vergleich zum Original soll das sogar noch gestrafft geworden sein. Vorerst streift man als Dreiergruppe durch die Gegend, erst ab circa 10 Stunden ist man für längere Zeit als klassische Vierergruppe unterwegs. Nochmal gut 10 Stunden später kann man endlich Berufsklassen zuweisen. Tipp: Beim Eingang der Allesneu-Abtei, gleich links bei den drei Leuten, die ganz hinten verrät euch mehr über erweiterte Berufe. Das ist gut zu wissen, damit man seine Zeit nicht nicht mit wirkungslosen Kombinationen verschwendet. Wer zwei oder mehr Berufe auf Meisterklasse bringt, kann nämlich einen erweiterten Beruf mit klar besseren Skills und Specs erlernen, wie z.B. Matrose + Dieb = Pirat.
Man könnte fast meinen DQ VII sei, wie schon DQ IX, von Grund auf für ein Handheld konzipiert worden, da sehr episodenhaft aufgebaut. Wobei man im Schnitt jeweils 1-3 Stunden pro Episode benötigt, diese also ganz gut häppchenweise spielen kann. Man muss zerbrochene Fragmente von Steintafeln (zumindest nicht schon wieder Kristalle…) finden und zusammensetzen, wodurch sich Portale zu weiteren Inseln auftun. Jede neue Insel bietet seine eigene kleine Story (meist ganz nett und abwechslungsreich, wenn auch nicht übermäßig originell) und führt natürlich zu weiteren Fragmenten. Jede neue Insel bringt uns außerdem dem großen Ganzen des Plots ein Stück näher. Die Inseln und Orte sind meist übersichtlich gehalten, aber es gibt eben massig davon und je nach Zeitpunkt verändern sie sich auch deutlich, also gibt es trotzdem reichlich zu erkunden und entdecken.

Das Kampfsystem ist das typische rundenbasierte eines jeden Dragon Quest Teils, da hält man es mit Adenauer: Keine Experimente! – doch if it ain’t broke, don’t fix it. Klar hätte man an Kampfsystem und Inventory etwas Fine-Tuning betreiben können, es stört jedoch nie maßgeblich, dass alles sehr traditionell belassen wurde.
Hin und wieder lockern kleinere Rätseleinlagen das Gameplay auf. Im ersten Dungeon stehen einem z.B. verschiedenfarbige Kristalle im Weg, man muss sie farblich passend aneinanderschieben um weiterzukommen – Sokoban meets Columns sozusagen, weder ausufernd noch sonderlich schwierig, aber witzige Idee eben.
Eine erfreuliche Änderung zum Original sind die sichtbaren Gegner, also keine nervigen Zufallskämpfe jede paar Sekunden, wenn man nicht will.
Praktischerweise erlernt man relativ früh nützliche Zauber wie Heilung, Teleportation und Schwächung. Letzterer ist sehr hilfreich bei den Bosskämpfen – als kleiner Einstiegstipp.

Grafisch stellt das Remake eine enorme Verbesserung dar. Bestand die Playstation Version noch aus wenigen groben Polygonen gepaart mit pixeligen 2D-Sprites, erstrahlt die 3DS Version komplett in prachtvollem 3D mitsamt detaillierten Charakter-Modellen und -Animationen. Was den eher schwachbrüstigen 3DS allerdings ganz schön pumpen lässt. Vor allem in den Außenarealen macht sich das bemerkbar, wie bei den Bäumen, die erst sehr spät aus dem Nichts aufpoppen. Dazu kommen gelegentliche Einbrüche der Framerate. Da die ursprüngliche 3DS Version schon einige Jahre auf dem Buckel hat, ist auch nicht davon auszugehen, dass sie da von der stärkeren Hardware des New 3DS profitieren könnte.
Der 3D-Effekt ist vorhanden, aber nicht so ausgeprägt wie in Bravely Default. Man verpasst nicht viel, wenn man ihn deaktiviert.
Ein wenig problematisch fand ich die Kamera. Die tendiert dazu, etwas zu nahe heranzuzoomen und der automatisch eingestellte Winkel ist auch nicht immer optimal, wodurch man beim Betreten oder Verlassen von Arealen kurz die Orientierung verlieren kann. Mit den Schultertasten lässt sich über 360 Grad rotieren, man kann also zumindest manuell nachbessern.

Musikalisch bekommt man den gewohnten passenden Mix aus neuen Stücken und DQ-Klassikern geboten. Die japanische 3DS Version soll echten Orchester-Sound haben, im Westen muss man sich mit Musik auf MIDI-Basis abfinden. Ändert zwar nichts an der Klasse der Kompositionen an sich, dennoch schade. Vermutlich wollte man das Game auf kleinere Speicherchips bekommen und somit Geld sparen oder/und in Hinsicht auf die Downloadversion Platz einsparen.

Fazit:
Dragon Quest VII ist ein solider Teil innerhalb der Reihe. Da recht zugänglich auch DQ-Einsteigern oder JRPG-Neulingen zu empfehlen; den Schwierigkeitsgrad würde ich im unteren Mittelfeld ansiedeln, mit guter Lernkurve, und das Grinding hält sich in Grenzen. Einzig die generell gemächliche Art wird die Geister spalten. Es ist mehr ein Game für den Genießer und Entdecker als für den rastlosen Kämpfer. Und enorm umfangreich; selbst wenn man nicht viel Zeit mit dem Erlernen mehrerer Berufe oder den sonstigen Nebenspielereien verbringt, wird man für den ersten Durchlauf mindestens 60 Stunden benötigen.
Auf den achten Teil muss man übrigens keine weiteren drei Jahre warten, der erscheint bereits Anfang 2017.


Story: 6 / 10
Grafik: 7,5 / 10
Musik: 7 / 10
Gameplay: 7,5 / 10


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© Square Enix / Nintendo


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