Chihiros Reise ins Zauberland

Inhalt

Auf dem Weg zu ihrem neuen Zuhause verirrt sich die Familie und steht plötzlich vor einem geheimnisvollen Gebäude mit einem Tunnel. Jenseits des Tunnel liegt eine verlassene Stadt, wo sich Chihiros Eltern in einem Restaurant gierig über das bereitstehende köstliche Essen hermachen – und alsbald in Schweine verwandelt werden. Chihiro ist verzweifelt, wie kann sie ihren Eltern helfen? Da taucht ein mysteriöser Junge namens Haku auf, der ihr erklärt, wie sie in der Zauberwelt überleben und ihre Eltern retten kann: Sie muss in den Dienst der mächtigen Hexe Yubaba treten. So arbeitet sie in deren gigantischem Badehaus für Götter und müde Geister. Doch um ihre Eltern zu befreien, muss Chihiro sich auf eine abenteuerliche Reise begeben, auf der sie ungeahnten Mut und eine bisher nicht gekannte Willenskraft und Ausdauer beweisen muss …


Meinung

Lieferte Miyazaki zuvor mit Prinzessin Mononoke noch einen überraschend blutigen Fantasy Epos mit klassischer jedoch komplexer Dramaturgie, bekommen wir es hier mit einem sagenhaften Märchen zu tun, welches mit überwiegend hohem Tempo und Ideenreichtum glänzt. Ambivalente Charaktere jenseits von Gut oder Böse gibt es nach wie vor, doch sind diese weniger detailliert herausgearbeitet als bei manch anderem Ghibli – das sei bei dieser fabulös spinnerten wie unterhaltsamen Achter(oder eher Geister)bahnfahrt aber gerne verziehen, der Schwerpunkt ist hier eben ein anderer.
Außerdem sind hier nicht nur die Figuren die Stars, sondern ebenso das grandiose Badehaus und dessen Umgebung. Hier zeigt sich Miyazakis inszenatorische Stärke, das große Gebiet darzustellen; jeder noch so lange und gewundene Weg wirkt logisch nachvollziehbar. Die übernatürlichen Arbeiter und Gäste des Badehauses sind nicht minder interessant; von bekannten Figuren aus der japanischen Mythologie, über diverse Yokai, bis hin zu Eigenkreationen wie dem Ohngesicht, zudem gibt es ein Wiedersehen mit den Rußmännchen aus Totoro.
Bei aller Fantasterei stechen aber auch realere Themen wie Kapitalismuskritik in Form des mit Gold um sich schmeißenden Ohngesichts, das die innere Leere buchstäblich durch Konsum zu füllen versucht, oder der durch Umweltverschmutzung gezeichnete Flussgott/Drache hervor. Einzig die schicksalhafte frühere Verbindung von Chihiro und Haku wirkte etwas überhastet drangeklebt. Wie dem auch sei, Chihiro bleibt ein über zweistündiges, fantastisches Erlebnis ohne Längen. Ähnlich stark wie Mononoke, doch komplett anders.
Die Synchro kann auch überzeugen. Als Besonderheit wirkten Nina Hagen (Yubaba) und Tochter Cosma (Lin) mit. Dass Nina Hagen hervorragend als kauzige alte Hexe passt sollte nicht wirklich verwundern…


Technisches

Es ist schwierig, viel zu schreiben, wenn schlichtweg alles passt. Wie alle Ghibli Blu-Rays Referenzqualität, oder nahe dran. Während z.B. die alte japanische DVD einen enormen Rot/Rosa Farbstich hatte und die alte deutsche DVD unter einer schlechten Normwandlung litt, kann man Chihiro jetzt endlich in voller Farbpracht und Schärfe bewundern. Upgrade ist hier Pflicht!
Zwei gelungene Surround Tonspuren in Deutsch und Japanisch, jeweils im verlustfreien DTS-HD MA Format. Dazu zwei deutsche Untertitelspuren; einmal normal, einmal für Hörgeschädigte.


Extras

Wie üblich bei der Ghibli Collection kann man den gesamten Film in Storyboard-Form betrachten, unterlegt mit wahlweise der deutschen oder der japanischen Tonspur. Außerdem kann man Nina Hagen bei der Synchronisation über die Schulter schauen, und ein separates Interview mit ihr ist ebenfalls vorhanden. Dann noch diverse Trailer. Da wäre durchaus noch mehr möglich gewesen; die alte DVD Special Edition hatte weiteres Material wie Making of.


Gesamturteil: 9 / 10


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© Nibariki / Universum Film GmbH


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2 Kommentare zu “Chihiros Reise ins Zauberland”

  1. Zustimmung in allen Punkten! Obwohl ich sonst ein Fan des O-Tons bin, greife ich gerade wegen Nina Hagen hier sehr sehr gerne zur deutschen Synchro. Ich meine auch, dass das Ohngesicht von einem japanischen Oni abgewandelt wurde, habe aber auf die Schnelle auch keinen Web-Nachweis gefunden. Wie dem auch sei … ein toller Film. Und tolle DVDs bzw. BluRays. Ich bin immer wieder sehr glücklich darüber, dass die aus der Kollektion mal mit einer richtig guten Packung Extras daherkommen. Davon könnten sich andere Verleihe mal eine Scheibe abschneiden.

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