Gruft der Vampire

Inhalt

Steiermark im neunzehnten Jahrhundert. Baron von Hartog dachte, die verkommene Karnstein-Sippe einst ausgerottet zu haben. Doch neue Gerüchte um Vampire kursieren in der Gegend und unerklärliche Todesfälle häufen sich. Dann erfährt er von einer mysteriösen Frau, die sich unter Vorwand als Gast bei wohlhabenden Familien einquartiert, worauf die jungen weiblichen Familienmitglieder erkranken und immer lethargischer werden. Ein Mädchen starb bereits auf diese Weise, aber für die unter denselben Symptomen leidende Emma ist es noch nicht zu spät. Der Baron beschließt, zusammen mit Angehörigen der Opfer, der Sache auf den Grund zu gehen.


Meinung

Der erste Teil der Karnstein-Trilogie, basierend auf dem homophilen Vampir-Klassiker Carmilla, wobei die restlichen Teile kaum mehr etwas mit der Vorlage gemein haben. Erstmals wird der typische Hammer-Grusel mit seinen hysterisch kreischenden Frauen, verstaubten Burgen und nebeligen Landschaften mit vordergründiger Erotik bereichert. Dabei schießt man auch mal etwas übers Ziel hinaus. Die Badeszene mit Carmillas anschließender spielerischer Verfolgung von Emma rund um das Bett ist doch recht albern und durchschaubar selbstzweckhaft – auch wenn ich speziell für den Anblick der nackigen Ingrid Pitt durchaus dankbar bin… Überwiegend sinnfrei waren zudem die Szenen mit Carmillas Spanner-Gefährten. Zwar erahnt man die intendierte Wirkung, die permanente Wiederholung entbehrt allerdings nicht einer unfreiwilligen Komik und entwickelt sich eher zum Running Gag. Ansonsten hat man es mit einem äußerst soliden Vertreter der Gattung zu tun, von Routinier Roy Ward Baker geschmackvoll und stilsicher umgesetzt. Vorhersehbar und langsam aufgebaut, aber unterhaltsam, und mit dargestellter Erotik und Gore, wie man sie von den Hammer Produktionen zuvor nicht kannte.
Auch die Schauspieler können überzeugen. Peter Cushing ist diesmal nur in einer größeren Nebenrolle zu sehen. Ingrid Pitt war mit über 30 eigentlich schon zu alt. Der Vorlage nach, müsste sie sich optisch in Emmas Alter befinden. Jedoch strahlt sie eine reifere Sinnlichkeit und Dominanz aus, welche für die Carmilla-Interpretation dieser Verfilmung perfekt ist. Bloß Madeline Smith als Emma – ihre erste größere Rolle – ist da zwiespältig; sie wirkt überfordert und nervös, zu Gute kommt ihr eigentlich nur, dass dies ganz gut zu ihrer sehr naiv ausgelegten Rolle passt, sofern man über manch unpassende Mimik hinwegsehen kann.
Der dritte und ebenfalls sehenswerte Teil, der nur sehr lose zusammenhängenden Trilogie, erschien bereits vor einigen Jahren auf Blu-ray. Der zweite Teil ist weiterhin ausschließlich auf DVD erhältlich, außerdem weniger gelungen.


Technisches

Nicht nur das meiste Bonusmaterial hat man der US Blu-ray entnommen, auch das Bild ist fast identisch. An wenigen Stellen mit ein paar Verunreinigungen mehr als auf der UK Blu-ray, doch der Tonwert ist stimmiger, die UK ist fast schon zu hell. Insgesamt eine gute Qualität für das Alter. Schärfewunder kann man natürlich keines erwarten, aber in Sachen Farben und Details werden vorherige Fernsehausstrahlungen und DVD Releases locker überboten. Viel besser wird der Film damals im Kino nicht ausgesehen haben.
Der Ton ist jederzeit gut verständlich und kommt jeweils im Original 2.0 Mono-Format daher (Deutsch und Englisch DTS-HD MA).


Extras

Eine kurze Doku, ein längeres Interview mit der sympathisch selbstkritischen Madeline Smith, Ingrid Pitt liest aus Carmilla vor. Ein Audiokommentar mit Roy Ward Baker (Regie), Tudor Gates (Drehbuch) und Ingrid Pitt (Carmilla), zudem ein deutscher Audiokommentar mit Dr. Rolf Giesen und Volker Kronz. Diverse Trailer, Spots, Bildergalerie und Wendecover. Für Film und Extras sind deutsche Untertitel vorhanden.
Wie immer in der Reihe, gibt es neben der Amaray eine streng limitierte Version im Mediabook, die zusätzlich ein umfangreiches Booklet enthält.


Gesamturteil: 7 / 10


gruft1
Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band.
gruft2
Hammer setzte sogar in den 70ern teilweise noch auf den Charme gemalter Kulissen.
gruft3
Leserservice…
gruft4.jpg
Auch Emmas Gouvernante mag Muschis.
gruft6
Carmillas namenloser Freund. Seine Hauptbeschäftigung: Auf dem Pferd sitzen und glotzen, wahlweise auch mal diabolisch lachen.

© Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc. / Koch Media / Anolis Enertainment


Bei Amazon kaufen


Ein Gedanke zu „Gruft der Vampire“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s