Overlord Staffel 1

Inhalt

Viele Jahre galt Yggdrasil als die Krönung unter den Online Multiplayer Rollenspielen. Doch an allem nagt der Zahn der Zeit. Die Spieler wendeten sich nach und nach ab, sei es aus privaten Gründen, oder weil sie auf aktuellere Games umstiegen, auch die Anzahl der aktiven Mitglieder in Momongas Gilde verringerte sich zusehends. Bis er sich eines Tages ganz allein in seinem Domizil wiederfindet. Ein letztes Mal noch dreht er, mitsamt seinen untergebenen NPCs, eine Ehrenrunde, bevor die Server endgültig abgeschaltet werden. Doch als er die Augen schließt und das Ende erwartet, befindet er sich nach wie vor im Spiel. Immer noch allein, bloß dass die NPCs lebhafter und intelligenter erscheinen als je zuvor, zudem wurde das Hauptquartier der Gilde in eine andere Gegend versetzt. Da er sich nicht mehr ausloggen kann, muss er also weiterhin für seine Untergebenen den fiesen Overlord mimen, außerdem beschließt er, die neue Welt zu erkunden, um weitere Spieler ausfindig zu machen denen es ähnlich ergeht wie ihm.


Meinung

Gefangen im Online RPG, computergesteuerte Charaktere, die lebendig werden, offensichtlich wurde man hier stark von Log Horizon und Co. ähem… inspiriert. Zumindest ist dieses Grundsetting für Anime-Verhältnisse bisher noch nicht zu sehr wiedergekäut worden und Overlord bringt außerdem ausreichend eigene Aspekte mit ein, um nicht als reine Kopie zu gelten. So sind die Hauptcharaktere eher der Gattung Bösewicht zuzuordnen. Schade, dass das nur teilweise durchscheint, im Kern sind die trotzdem zu gutmütig geraten. Mehr Cojones und weniger Schiss davor, die Charaktere unsympathisch erscheinen zu lassen, hätte hier zu deutlich interessanteren Ergebnissen führen können.
Die ersten 10 Minuten, in denen Momonga seine vermeintlich letzten Momente im Spiel verbringt, sind sehr stark, sie verströmen eine unerwartete bittersüße Melancholie. Leider taucht kurz darauf Albedo auf, sie gehört zu seinen Wächtern und ist eine dieser nervigen und ausgelutschten Trullas, die bei jeder Gelegenheit mit ihren Titten wackeln und den Protagonisten devot anschmachten. Wenigstens legt sich das im weiteren Verlauf etwas und sie bekommt auch nicht übermäßig viel Screen-Time. Und ihr Verhalten ist zumindest nachvollziehbar, da Momonga zuvor aus Jux Albedos Charakterbeschreibung editiert hatte und hinzufügte, dass sie auf ihn steht. Andererseits fliegt auch Shalltear Bloodfallen (subtiler Name für einen Vampir), eine weitere Wächterin, auf ihn, und hierbei hatte er wohl nichts manipuliert. Ist wohl doch nur billige Anbiederung an das männliche Zielpublikum, ohne weitere Hintergedanken…

Sei’s drum. Insgesamt liefert Overlord seichte Unterhaltung und solide Fantasy-Kost mit ein paar schicken Chara- und Monsterdesigns, gut dosiertem Geschmodder und ordentlicher, wenn auch nicht überragender Action, immer wieder durch Humor aufgelockert. Die 13 Episoden sind schnell durchgeglotzt, ein weiteres Indiz für die kurzweilige Art der Serie.
Charaktertechnisch geht nicht viel weiter. Bei Log Horizon war es z.B. auch interessant zu beobachten, wie die NPCs mit gewachsener Intelligenz immer selbstständiger und eigensinniger wurden, manche sogar Helden werden wollten, was bisher nur menschlichen Spielern vorbehalten war. Mehr Charakterentwicklung könnte natürlich noch in der zweiten Staffel kommen, wer weiß…

Die Synchro ist gut gelungen und ähnlich launig wie schon bei Rage of Bahamut. Manch einer mag ob der Übersetzung dennoch gleich Zeter und Mordio schreien. Die Texte weichen teils deutlich vom O-Ton ab, meist zum Besseren. Die Puristen werden sowieso OmU schauen. Und bei einem Anime, der sich ohnehin nicht zu ernst nimmt, kann man sich imo durchaus mal ein paar Freiheiten herausnehmen. So musste ich über einen deftigen Konter wie „Mein Morgenschiss ist anstrengender als dir eine Lektion zu erteilen!“ lachen, auch weil es so überraschend kam. Auf Japanisch kommt bei der Szene laut Untertitel nur ein lahmes „Gegen dich brauch ich nicht mal ansatzweise Ernst zu machen.“ – 1:0 für das deutsche Dialogbuch. Da hatte jemand Spaß bei der Arbeit.

Die Bezeichnung „Complete Edition“ auf dem Cover ist etwas unglücklich gewählt. Es wird ein netter Staffel-Finalkampf geboten, damit endet die Box nicht gänzlich unbefriedigend, aber der Plot ist noch lange nicht abgeschlossen. Eine zweite Staffel wurde bereits vor einigen Monaten bestätigt. Also ist die „Komplettbox“ als Staffelbox zu sehen.


Technisches

Banding und Artefakte scheinen ein grundsätzliches Problem von KSM Anime zu sein, bei diesem Release recht prominent vorhanden (hier ganz gut zu erkennen). Leider wurden zudem wieder Single Layer Discs verwendet, wodurch die 5 Episoden auf der dritten Disc eine nicht so pralle durchschnittliche Bitrate von unter 20 Mbps haben, wobei auch der Rest nicht weit darüber liegt.
Bei gewöhnlicher Entfernung und einem TV unter 50 Zoll mögen die meisten Mängel kaum auffallen, ideal ist es halt trotzdem nicht.
Ton Deutsch (5.1) und Japanisch (2.0), jeweils lossless, und natürlich deutsche Untertitel. Das Sperren der Audio und Untertitel Tasten scheint wohl immer mehr zum Trend zu werden, zumindest kann man beides während der Wiedergabe mit dem Pop Up Menü umschalten.


Extras

Textless Opening und Ending, Bildergalerie, diverse Trailer und 8 Comedy Shorts verteilt über die drei Discs. Die Limited Edition kommt im Schuber inklusive Booklet, Postkarten, Poster und Sticker.


Gesamturteil: 6,5 / 10


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© Kugane Maruyama / KADOKAWA CORPORATION / OVERLORD PARTNERS


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