The Firebirds / The 31 Flavors – Light My Fire / Hair

Exploito, nein, das hat nichts mit Exploitation Film zu tun, dieses „Genre“ kam in den Sechzigern auf und spezialisierte sich darauf, mit möglichst wenig Aufwand möglichst dick abzucashen. Dabei sprang man auf den aktuellen musikalischen Trend auf, zu der Zeit also Psych und Blues Rock, weshalb die Bandnamen häufig mit einem „The“ begannen und die Albumtitel von bekannten Größen stammten, in dem Fall z.B. von The Doors. Nach ein, zwei Alben hörte man dann auch nichts mehr von den, zumeist aus anonymen Studiomusikern bestehenden, Bands. Viele dieser Releases rotten vergessen in alten Vinyl-Sammlungen vor sich hin, wenn nicht gerade ein Retro-Label wie Gear Fab Records eines davon ausgräbt und neu veröffentlicht. Hier haben wir gleich zwei Alben aus dem Ende der sechziger Jahre auf einer Disc, da jeweils nur ungefähr eine halbe Stunde kurz.

Light My Fire startet passenderweise mit eben jenem Doors Song, in Form einer knappen Instrumentalversion. Nett, wenn man gerade keine Lust auf das überlange Original hat und/oder selber dazu jaulen will…
Delusions ist ein recht uninspirierter Blues mit einer Extraportion Schmalz und Käse. Der Sänger ist grauenhaft und nervig, zu allem Übel wurde der Gesang auch noch penetrant in den Vordergrund gemischt.
Reflections überzeugt gleich vom Start weg mehr, mit einem eingängigen Riff und herrlich fuzziger Gitarre – bis der Gesang einsetzt und man sich wünscht, man hätte es hier wieder mit einem Instrumental zu tun.
Danach ist wieder Blues Time, mit Bye Baby. Nettes Gitarrensolo, ansonsten meh.
Gypsy Fire – Ähnlichkeiten der generischen Songtitel mit Songs von Hendrix und Co. sind natürlich reiner Zufall… Eine ordentliche Fuzz-Orgie, wie der Titel erahnen lässt, aber bluesiger als Reflections.
Free Bass verschont uns endlich wieder vom Gesang, ist musikalisch trotzdem uninteressant, inklusive schlechtem Bass-Solo in der Mitte.
Speziell die ersten 50 Sekunden vom folgenden No Tomorrows sind stark, auch sonst ein recht abwechslungsreicher Song – fast schon punkig.
Abgeschlossen wird mit Warm Up. Ein vermutlich improvisiertes Blues-Gitarren-Solo. Nicht fehlerfrei, aber authentisch.

Weiter mit den 31 Geschmäckern – die ich insgesamt übrigens abgeschmackter als die Feuervögel fand…

Hair, aus – Surprise! – dem Musical Hair. Der Sänger ist hier etwas erträglicher, doch wenig textsicher und immer noch zu fucking laut abgemischt. Mäßiges Cover, wobei ich das Original auch nicht sehr schätze.
Aquarius / Let The Sunshine In ist okay, diesmal mit mäßig begabter aber ebenfalls erträglicher Sängerin, weniger funky und catchy als das mehrstimmige Original. Abgeschlossen wird der Song mit dem Chorus einer weiteren Nummer aus Hair – hätte es jetzt nicht unbedingt gebraucht…
Protest ist ein netter, relaxter Song mit crunchiger Gitarre. Sogar die Vocals sind mal nicht so brutal in your Face.
Free Fuzz – Nomen est Omen. Wie schon Free Bass, nur eben mit Gitarrensolo. Noch der beste Teil der improvisierten Solo-Trilogie des Grauens.
One-Two-Three-Four hat ein paar Momente mit Potential, ist aber generell nicht so der Bringer, eher ein weiterer Lückenfüller.
Real Far Out: Moar Hendrix, why not. Leider deutlich schwächer als Gypsy Fire.
Apropos Lückenfüller: Free Drums – You guessed it: Drumsolo!
Der Höhepunkt kommt zum Schluss, mit Distortions Of Darkness. Vergleichbar mit Reflections, aber noch eine Ecke düsterer. Könnte direkt von den frühen Black Sabbath stammen, die ihr Debüt übrigens erst ein Jahr nach diesem Album hier herausbrachten. Und der Sänger hält endlich mal die Fresse – Hallelujah!

Zweimal ein Sammelsurium aus Coverversionen und schnell zusammengeschusterten Originalkompositionen also, bei denen hin und wieder etwas Grandioses durchblitzt. Doch in erster Linie sollte man das Release als Kuriosum sehen, musikalisch und qualitativ kann es natürlich nicht mit den Vorbildern mithalten, andererseits passt zumindest der raue und dreckige Sound ganz gut. Aber 3-4 gute Songs und viel Füllmaterial ist einfach verdammt wenig. Ich packe mal zwei der besten Tracks unten dazu, denn den Kauf kann man sich sparen, wenn man nicht gerade obskures Zeug sammelt.
5 / 10


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