David Sylvian – Secrets of the Beehive

Sylvians Karriere als Solokünstler weist nicht nur im Verlauf – vom Mitglied einer erfolgreichen Band zum respektierten Experimentalmusiker – wie auch stilistisch frappierende Ähnlichkeiten zu der von Scott Walker auf, beide haben außerdem vergleichbare Stimmen mit dickem Pathos. Davon abgesehen, dass sie in völlig unterschiedlichen Jahrzehnten begannen. Sylvians Band Japan war optisch und musikalisch exemplarisch für die 80er, stark von Art Pop und dem aufkommenden New Wave geprägt, bzw. selbst prägend für das Genre. Vielleicht ein Grund, weshalb ich mich bisher von Sylvians Schaffen fernhielt; ich mag den 80er Sound nicht so sehr. Doch alle Vorbehalte erwiesen sich als nicht gerechtfertigt, denn Secrets klingt nicht typisch 80er. Das mag daran liegen, dass das Album nicht von synthetischen Instrumenten dominiert wird und die Produktion warm und transparent klingt. Auch die aktuelle Version ist für ein 2000er Remastering vorbildlich behutsam; keine Chance im Loudness War, auch nicht zu Tode komprimiert, ausreichend Luft zum Atmen.
Im Vordergrund stehen zumeist Akustikgitarre oder Piano, begleitet vom Kontrabass, der dem Ganzen einen jazzigen Touch verleiht (Mother and Child könnte sogar als reinrassiger Jazz durchgehen). Hier und da dezent ergänzt durch Bläser, Streicher, Synths oder E-Gitarre, ohne es überfüllt wirken zu lassen. Unterstützt wurde Sylvain unter anderem vom Komponisten Ryuichi Sakamoto an den Tasten, mit dem er bereits einige Jahre zuvor den Hit Forbidden Colours landete. Der Grundton reicht von melancholisch verträumt bis zu bedrohlich düster. Ein flockiger Sommerhit findet sich hier definitiv nirgends – am ehesten vielleicht noch mit When Poets dreamed of Angels, als ironischer Sommerhit, dessen Text im krassen Gegensatz zur lieblichen Musik steht…
Secrets of the Beehive ist eine ausgezeichnete Symbiose aus Pop und Anspruch, nicht frei von Kitsch und Pathos, aber auf eine ergreifende und absolut passende Art. Vom Artwork, den Texten, bis hin zur Musik ein atmosphärisch dichtes wie homogenes Werk.
9 / 10


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