Serial Experiments Lain

Inhalt

Die introvertierte Schülerin Lain Iwakura hat im Gegensatz zu ihrem Umfeld kein Interesse an Computer und Internet, hier Wired genannt. Bis sie online von einer Schulkameradin kontaktiert wird, was kaum möglich ist, da diese kurz zuvor Suizid beging, doch scheint sie irgendwie im Cyberspace weiterzuexistieren. Die seltsamen Ereignisse in Verbindung mit der Wired häufen sich, woraufhin Lain aus Faszination immer tiefer in die neue Technikwelt eintaucht und schnell einen besonderen Zugang dazu entwickelt. Die Grenzen zwischen der vermeintlichen Realität und dem Cyberspace verschwimmen zusehends und Lains Macht potenziert sich, doch auch die Gefahr, ihre eigene Identität zu verlieren.


Meinung

Lain ist sehr speziell. Voll im Zeitgeist der 90er – Paranoia, Verschwörungstheorien (Manche Dinge kommen immer wieder…), die Massenvernetzung ist bereits im Gange, inklusive damit einhergehender Skepsis und Euphorie, außerdem wurden seltsame Mysteryserien dank Twin Peaks und Akte X Salonfähig –, und doch entzog sich Lain schon damals dem Mainstream, ist und bleibt eine love it or hate it Angelegenheit. Das mag am ruhigen Ton und der nahezu actionbefreiten Handlung liegen, die nicht an Symbolismus und Philosophie spart und vielleicht auch mal die eine Kapriole zu viel macht. Außerdem ist es keine Serie mit wirklicher Identifikationsfigur, die Leute wirken oft lethargisch bis irrational. Einzig Lains Freundin Alice ist so etwas wie ein Anker der Normalität. Lain selbst bleibt ähnlich nebulös wie alle anderen Charaktere. Auch wenn sie sich inszenatorisch nicht unähnlich sind, ist Lain doch meilenweit von einer schonungslosen Charakterstudie à la NGE entfernt. Doch ist es hier die Gesamtatmosphäre, die gefangen nimmt, irgendwo zwischen X-Files Paranoia und bedrohlicher David Lynch Weirdness. Und auch wenn nicht alles durchgehend komplett einen Sinn ergibt, vermutlich nicht mal für die Macher, so bleibt der Kern doch nachvollziehbar.
Animiert ist Lain eher spärlich, wartet dafür aber mit einigen netten Spielereien auf und entwickelt einen eigenen, unverkennbaren Stil. Dazu kommt ein hervorragender Soundtrack, passend reduziert und anders. Auch die für das DVD Release Mitte 2000 angefertigte Synchro macht immer noch einen guten Eindruck, abgesehen von ein paar kleineren Rollen.

Mich konnte Lain nach aktueller Sichtung nicht mehr ganz so restlos begeistern wie damals, doch entwickelte sich wieder ein gewisser Sog. Nach wie vor ein Erlebnis. Für mich in positiver Hinsicht, aber auch die Hater kann ich verstehen. Lain ist trotz Anspruch eine Serie, die man vor allem fühlen muss, was eben sehr subjektiv ist. Zumindest darauf, dass Lain speziell ist, dürften sich wohl alle Parteien einigen.


Technisches

An sich ist das HD Remaster von Lain sehr stark, so klar und scharf konnte man die Serie noch nie erleben, vor allem die Close-ups, die häufig eingesetzt werden, sind phänomenal. Man scheint selbst einige Effect Shots neu gemacht zu haben, da sie zur Zeit der Entstehung sicher nicht in HD Auflösung erstellt wurden.
Mit ein paar Problemen hat Lain dennoch zu kämpfen, teils schon seit den DVDs, aber zum Glück nicht durchgehend. Da wäre das Banding, das tragischerweise gerade zu Beginn der ersten Episode am deutlichsten hervorsticht. Und dann gibt es vereinzelte Unschärfen, und ich rede nicht von stilmittelbedingten. Vermutlich waren einige Original Cels nicht mehr vorhanden oder zu stark beschädigt und konnten nicht neu in HD abgetastet werden, also musste dort auf niedriger aufgelöste Quellen zugegriffen werden. Da kann man eben nichts machen. Trotzdem insgesamt eine enorme Verbesserung zu bisherigen Releases, siehe unten.
Das Bild ist übrigens nicht interlaced, wie es auf der Rückseite steht. Die Bitrate liegt bei ordentlichen 26 Mbps herum. Der Ton im verlustfreien Format jeweils in 5.1 (Deutsch) und Stereo (Japanisch). Dann einmal eine normale Untertitelspur für den japanischen Ton und eine rein für die Übersetzung von den Textstellen.

Aktuelle Blu-ray versus alte deutsche DVD:

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Extras

Auf den zwei Discs befindet sich nur die Serie und sonst nichts. Die Verpackung ist ein sympathisch regalplatzschonendes Digipak, kaum größer als eines dieser dickeren Blu-ray Amarays. Hier sind noch ein Sticker und ein kleines Poster (selbes Motiv) enthalten.


Gesamturteil: 8 / 10


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© 1998 Triangle Staff / Pioneer LDC.


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2 Kommentare zu „Serial Experiments Lain“

  1. Mensch, das wäre auch mal wieder einen Rewatch wert! Ich habe Lain als Teenager gesehen und denke, dass ich die psychologische und düstere Ebene damals nicht so schätzen wüsste wie vielleicht heute. Reine Spekulation … wie immer eine sehr genaue Anschauung der Technik 😉

    1. gibt eh zu wenige seiten, die näher darauf eingehen. manche schreiben lieber einen halben roman über verpackungen, inklusive ein dutzend fotos aus allen winkeln 😀
      wenn ich mich recht erinnere, soll dieses jahr auch noch ein re-release von haibane renmei kommen. die fand ich noch besser.

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